
Erdgas – die dritte Kraft auf dem Energiemarkt
Erdgas wird schon seit geraumer Zeit als Treibstoff, aber vor allem auch als Erdölersatz benutzt. Seit ungefähr 20 Jahren wird Erdgas in Deutschland verstärkt als Brennstoff eingesetzt. Dabei ist die Förderung weit weniger aufwändig als beim Erdöl. Da Erdgas leichter als Luft ist, steigt es fast von alleine an die Oberfläche. Doch hier wird es dann deutlich komplizierter als beim Erdöl, da der Transport, die Aufbewahrung und die Distribution mit viel größerem Aufwand und auch Kosten verbunden sind. Zum Transport muss Gas zunächst verflüssigt und später dann wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgeführt werden.
Schon jetzt deckt Erdgas rund ein Viertel des weltweiten Energieverbrauchs und ist damit eine führende alternative Energiequelle. Damit liegt der Energieträger fast gleich auf mit Kohle, jedoch deutlich hinter Erdöl, das fast genau 40% Abdeckung erreicht.
Handelsplatz der alternativen Energie Erdgas ist New York
Der wichtigste weltweite Handelsplatz ist die New York Mercantile Exchange (NYMEX). Der dort gehandelte Future hat einen ungewöhnlichen Namen: Henry Hub Natural Gas Future. Dieser Name bezieht sich auf die Erdgasauslieferung an einem der wichtigsten Pipeline-Kreuzungspunkte in den USA, den Henry Hub im US-Bundesstaat Louisiana. Auch die Einheit des Gas Future ist mit USD pro mmBtu sehr ungewöhnlich. Hinter dieser Abkürzung versteckt sich: Mio. British Thermal Unit. Dies ist eine alte britische Wärmeeinheit, die der benötigten Energiemenge zur Erhitzung eines Pfund Wasser um ein Grad Fahrenheit entspricht. Dabei entspricht 1 Btu genau 1.055 Joule.
Hurrikans von entscheidender Bedeutung für das alternative Energie-Mittel
An der Intercontinental Exchange in London wird ein weiterer Gas-Future gehandelt. Da beide Kontrakte sehr stark auf die lokalen alternativen Energie- und standard Energie-Märkte ausgerichtet sind, sind sie auch nur schwer zu vergleichen. Daher können auch Preiseffekte nur in geringem Maße von einen auf den anderen Kontrakt übertragen werden. Für den US-Erdgasmarkt haben die Hurrikans im Golf von Mexiko eine entscheidende Bedeutung. In Großbritannien wirken sich viel eher Produktionsverzögerungen in Norwegen, woher rund 80% des britischen Erdgases herstammen, auf den Preis aus.
Mit dem extremen Anstieg der Erdölpreise ging es auch beim Erdgas in den vergangenen Jahren deutlich aufwärts. Ein Faktor, der dabei zum Tragen kam, war die gesetzlich vorgegebene Ölpreis-Bindung, wie sie z.B. in Großbritannien aber auch bei uns in Deutschland gilt. Durch diese Regelung ist der Gaspreis fest an die Preisentwicklung von Heizöl gebunden.
Der allgemeine Aufwärtstrend beim Erdgas hat sich mit einer viel höheren Volatilität vollzogen als beim Erdöl. Im Vergleich zu anderen Energieträgern spielt sicherlich die schlechtere Lagerfähigkeit bei Erdgas eine wichtige Rolle bei der Preisbildung.
Aber auch die psychologische Komponente spielt mit hinein
Die ausgeprägte Saisonalität ist wiederum ein Kennzeichen verschiedener Energieträger. Die Kontrakte mit einer Fälligkeit im Winter notieren grundsätzlich höher als solche mit einer Fälligkeit im Sommer. Ein wichtiger Unterschied zum Erdöl ist auch die Verfügbarkeit. Der extreme Preisanstieg im Herbst 2006 als Folge der verheerenden Hurrikans im Golf von Mexiko beruhte nicht auf einer kurzfristigen Verknappung des Angebots. Vielmehr spielten dort psychologische Effekte mit hinein: Schäden an den Produktionsanlagen gefährdeten die Förderung und Lieferung von Erdgas auf Sicht von einigen Monaten. Zum Zeitpunkt der Hurrikans waren die Lager gut gefüllt und die Versorgung der US-Bevölkerung mit Erdgas war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.
Beim Erdöl war die Situation anders: Hier führten die Hurrikan-Schäden zu einer angespannten Versorgungslage, die sogar den damligen US-Präsident George W. Bush dazu veranlasste, einen Teil der strategischen Ölreserven kurzfristig freizugeben.
Dabei ergibt sich beim Erdgas die Fantasie nicht vornehmlich aus dem Treibstoffeinsatz, sondern der Wachstumsmotor versteckt sich hinter drei Buchstaben: LNG. Dahinter verbergen sich die englischen Worte Liquified Natural Gas. Simpel gesagt handelt es dabei um verflüssigtes Erdgas. Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Im normalen Zustand nimmt Erdgas sehr viel Platz ein und es verflüchtigt sich schnell. Also kann Erdgas nur über mittlere Distanzen per Pipeline transportiert werden.
LNG: Die neue Erdgasfantasie auf dem alternativen Energie-Markt
So kommt es, dass die Erdgasmärkte der Welt aktuell noch sehr isoliert von einander sind. Doch mit der immer weiter fortschreitenden Verbreitung von LNG lohnt sich auch der Transport von US-Gas nach Europa. Es wird also zu einer völlig anderen Preisbildung in den kommenden Jahren kommen. Insbesondere auch deshalb, weil der Erdgaspreis in sehr vielen Staaten an den Ölpreis gebunden ist. Doch diese Koppelung wird wohl nicht ewig Bestand haben.
Zusätzlich machen sich Länder wie Deutschland durch den vermehrten Einsatz von LNG unabhängiger von Gasimporten aus Russland. Wie schnell es gehen kann, dass der Gashahn zugedreht wird, konnten wir Anfang 2006 sehen, als der Streit zwischen der Ukraine und Russland eskalierte. Damals wurde von Seiten der Russen kurzfristig die Gaszufuhr gekappt.
Alternativer Energiestoff Biomasse birgt wenigen Risiken
Der Vorteil vieler alternativer Energieträger ist die nahezu uneingeschränkte Verfügbarkeit im Gegensatz zu den endlichen Energieträgern, wie z.B. Erdöl. Nun ist Bioenergie nichts anderes als Sonnenenergie, die dann von Pflanzen durch die Photosynthese in biochemische Energie umgewandelt wird. Dabei wird das Potenzial der Bioenergie schon seit Jahrhunderten genutzt. So ist Holz in vielen Teilen der Erde noch heute ein wichtiger Energieträger.
Dabei verfügen die Bioenergieträger über zwei Vorteile: Es bestehen keine unkontrollierbaren Risiken wie bei der Atomenergie und sie werden auch nicht in absehbarer Zeit, wie alle fossilen Energieträger, zu Ende gehen. Auf dem Markt für flüssige Bioenergieträger nimmt Biodiesel neben Ethanol eine dominierende Stellung ein und hat hohes Potenzial eine der wichtigsten alternativen Energie-Quellen zu werden.
Biodiesel – Wachstumsgrenze schon fast erreicht
Der in Deutschland erhältliche Biodiesel wird vornehmlich aus Pflanzenöl gewonnen. Als wichtigster Ausgangsschritt dient dabei das Auspressen ölhaltiger Biomasse, eine der vielversprechensten Stoffe aus dem Segment der alternativen Energien.. 80% der in der EU verarbeiteten Biomasse entfällt dabei auf Raps. Weitere Ausgangsstoffe sind Soja und in geringem Maß auch Palmöl.
Immerhin gelangt Biodiesel in Deutschland mittlerweile an fast 2.000 Zapfstellen in den Handel. Doch mit 1,7 Mio. Tonnen Rapsöl sind schon fast die Grenzen des Wachstums erreicht. Denn schon jetzt werden auf 1,2 Mio. Hektar in Deutschland Raps angebaut. Das entspricht in etwas 10% der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Ein weiterer Ausbau auf 1,5 Mio. Hektar ist dabei noch möglich. Damit ließen sich rund 2 Mio. Tonnen Rapsöl erzeugen. Doch auf der anderen Seite steht der aktuelle Bedarf von 130 Mio. Tonnen Mineralöl in Deutschland dem alternativen Energieangebot gegenüber.
Sie sehen also, dass auf Biodiesel allein der Markt für alternative Treibstoffe nicht fußen kann. Entscheidend für die Praxistauglichkeit von nachwachsenden Rohstoffen ist die Ertragshöhe der Anbaufläche. Die ist im Fall von Rapsdiesel mit 1.550 Liter pro Hektar recht gering. Bei Ethanol hingegen beträgt der Wert schon 2.560 Liter.

