Ethanol – auf Wachstum programmiert

 

Ethanol ist ein Alkohol, der aus der Vergärung von Biomassen gewonnen wird und so auch als Treibstoff verwendet werden kann. Als Basismaterial dient vor allem Zuckerrohr, Mais oder auch Sojabohnen. Der wichtigste Handelsplatz für Ethanol ist das Chicago Board of Trade (CBOT). Der dort gehandelte Future notiert in US-Dollar je Gallone, wobei ein Kontrakt 29.000 Gallonen entspricht. Als Referenz dient Ethanol gemäß des US-Industriestandards, der für die Beimischung zu herkömmlichen Benzin von bis zu 15% geeignet ist (E85).

 

Nach einer ersten Hochphase in den 1980er Jahren verebbte mit dem stark fallenden Ölpreis auch wieder das Interesse an am alternativen Energietreibstoff Ethanol. Doch seit 2002 hat sich der Preis für das amerikanische Ethanol annähernd verdreifacht und kostete schließlich mehr als drei Dollar. Interessant war bei diesem Preissprung auch der große Unterschied zum herkömmlichen Benzin: Bei einigen Terminkontrakten betrug die Differenz bis zu 90 US-Cent pro Gallone.

 

 

Steigende Nachfrage nach Bio-Ethanol


Insgesamt steigt die Nachfrage nach Bio-Ethanol rasant. In den USA wird derzeit das Ethanol-Angebot noch von den geringen Raffinerie-Kapazitäten beschränkt. Aktuell werden in den Vereinigten Staaten nur 275.000 Barrel pro Tag produziert. Schon im November 2005 lag aber die Nachfrage bei 297.000 Barrel. Im gesamten Jahr 2005 hat sich die Ethanolproduktion gegenüber dem Vorjahr auf 24,6 Mrd. Liter annähernd verdoppelt. Damit waren die USA nach Brasilien der zweitgrößte Produzent der Welt.

 

Und das Wachstum in den USA schreitet weiter voran. So hatte US-Präsident George W. Bush in seiner Regierungserklärung im Januar 2006 ganz klar angekündigt, alles dafür zu tun, um die USA unabhängiger vom Öl aus dem Nahen Osten zu machen. Zu diesem Zweck sollte der Bereich der Alternativen Energie weiter ausgebaut werden.

 

Wie weit die Verbreitung schon vorangeschritten ist, kann man auch an folgender Tatsache ablesen: der Kontrakt für bleifreies Benzin wurde schon in den folgenden Monaten umgestellt. Als Basis diente dann nicht mehr das auch bei uns geläufige bleifreie Benzin, sondern das mit Ethanol vermischte Benzin.

 

 

Faktoren für die Preisbildung


Auf die Preisentwicklung bei Ethanol wirken verschiedene Faktoren ein

 

 

* Versorgung mit Basis-Rohstoffen
In Brasilien und auch in Deutschland wird Ethanol vorwiegend aus Zucker gewonnen. In den USA dient Mais als Hauptgrundstoff. Somit kommt der Preisentwicklung dieser beiden Agrargüter bei der Preisbildung eine große Rolle zu. Hohe Ernteerträge oder Missernten bei Zucker oder Mais wirken sich somit direkt auf den Ethanolpreis aus.

 

* Öl- und Benzinpreise
Je höher der Ölpreis desto attraktiver ist der Einsatz von Ethanol. Da auf Sicht der kommenden Jahre wenn überhaupt nur mit einem moderaten Rückgang des Ölpreises zu rechnen ist, bleibt Ethanol als Substitut spannend.

 

* Herstellungskapazitäten und das Tankstellennetz
Ein Schwachpunkt bei Ethanol sind die bislang noch nicht ausreichenden Raffineriekapazitäten. Hier gibt es vor allem in den USA enorme Engpässe. In Europa und speziell in Deutschland stellt sich die Lage nicht so dramatisch dar. Zusätzlich gibt es bislang noch kein flächendeckendes Netz mit Ethanol-Tankstellen.

 

* Subventionen/Politik
Ähnlich wie bei der Solarenergie hat sich die Politik schon sehr flächendeckend dem Thema Ethanol gewidmet. Durch schon bestehende Gesetze in vielen Ländern herrscht auch für die kommenden Jahre vorerst Planungssicherheit über die zu erwartenden Absatzmengen an Ethanol. So wird schon jetzt in Brasilien per Gesetz dem Benzin mindestens 25% Ethanol beigemischt. Auch können dort schon Fahrzeuge komplett mit Ethanol betrieben werden.

 

Das in den USA beschlossen Förderprogramm sieht bis zum Jahr 2012 eine Verdoppelung des Ethanol-Verbrauchs auf mindestens 28 Mrd. Liter pro Jahr vor. Auch in China hat das Umdenken schon eingesetzt. Dort sollen bis zum Jahr 2020 zehn Millionen Tonnen Öl durch Biokraftstoff ersetzt werden. Gleichzeitig sollen die Herstellungskapazitäten bis auf 12 Mio. Tonnen pro Jahr erhöht werden. Auch in der EU gibt es schon eine feste Regelung: Der Ethanol-Anteil am gesamten Benzin-Verbrauch soll durch Fördermaßnahmen bis 2010 von aktuell zwei auf dann 5,75% gesteigert werden.