GSCI: Der wichtigste Rohstoff-Index

 

Um Anlegern den Zugang zu der Assetklasse Rohstoffe zu ermöglichen, hat Goldman Sachs im Jahr 1991 den Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) vorgestellt. Mit diesem Index, der von einer Reihe von Subindizes ergänzt wird, können Anleger längere Zeit in Rohstofffutures investieren, ohne direkt an einer oder an allen Terminbörsen engagiert sein zu müssen. Der übergreifende GSCI-Gesamtindex enthält Futureskontrakte auf derzeit 24 liquide handelbare Rohstoffe aus den Bereichen Energie, Industriemetalle, Edelmetalle, Landwirtschaft und Viehwirtschaft.

 

Die GSCI-Subindizes bilden einzelne Rohstoffgruppen oder unterschiedliche Kombinationen von Rohstoffgruppen ab. Für jeden GSCI-Index wurde eine lange Historie zurückberechnet, wobei der Indexwert zum Jahreswechsel 1969/1970 mit genau 100 Punkten fixiert wurde. Der GSCI bildet die Preisentwicklung der Rohstoffe nach dem Anteil an der Weltmarktproduktion ab. Daher ist der Bereich Energie in diesem Index extrem stark gewichtet. Sektoren wie Agrargüter oder andere Soft Commodities kommen nur am Rand vor. In Wirklichkeit ist der GSCI also kein Rohstoff-, sondern vielmehr ein Energieindex.

 

 

Das Rind als größter Einzelposten im GSCI der achtziger Jahre

 

Das war in der Vergangenheit übrigens ganz anders. So war bis in die 1980er Jahre hinein Lebend-Rind („Live cattle“) der größte Einzelposten in diesem Index. Im Index können nur Futures berücksichtigt werden, die auf US-Dollar lauten und die in einem OECD-Staat notiert werden können. Um die Zersplitterung auf eine unüberschaubare Anzahl winziger Positionen zu verhindern, muss jeder Futureskontrakt mit einem definierten Mindestgewicht in den Index eingehen. Jahr für Jahr werden vom Indexkomitee Hunderte von Futureskontrakten auf ihre Eignung für die Indexmitgliedschaft untersucht.

 

Derzeit sind 24 Rohstoffe im GSCI-Index vertreten; die letzte Änderung erfolgte bei Orangensaft, der seit 2004 nicht mehr im Index enthalten ist, da er 2003 die Anforderungen nicht mehr erfüllte. Auch das Gewicht eines Futurekontrakts im Index wird nach klaren Regeln festgelegt. Bei Aktienindizes werden die im Index enthaltenen Aktien entsprechend der Marktkapitalisierung gewichtet, um so ihre wirtschaftliche Bedeutung abbilden zu können.

 

 

Der Wert der Produktionsmenge ist ausschlaggebend


Da dies auch bei Rohstoffen angestrebt wird, werden die einzelnen Rohstoffe entsprechend dem Wert ihrer Weltproduktionsmengen gewichtet. Um außergewöhnliche Ereignisse wie zum Beispiel Ernteausfälle zu glätten, wird jeweils der Durchschnitt aus den Weltproduktionsmengen der vergangenen fünf Jahre herangezogen. Der Rohstoff Light-Sweet-Crude-Rohöl zum Beispiel ist daher im GSCI-Gesamtindex mehr als 100mal so stark gewichtet wie Kakao.

 

Nun ist die Performance des GSCI, trotz der Übergewichtung einzelner Rohstoffsektoren, dennoch außergewöhnlich: Seit Anfang 2000 hat der Index eine jährliche Rendite von 11,82% erwirtschaftet. Blickt man länger zurück, ergibt sich seit Januar 1992 immer noch eine jährliche Rendite von 6,59%. Bei diesen Zahlen kann man eigentlich zufrieden sein und mit einem Open-End-Zertifikat auf den Index kontinuierliche Renditen einstreichen. Diesen Effekt kann man sogar noch optimieren in dem man auf einen der beiden speziell berechneten GSCI Indizes zurückgreift:

 

 

GSCI Excess Return 


Da ist zum einen der GSCI Excess Return (ER) Index, auf den es eine Vielzahl von Finanzprodukten gibt. Der GSCI ER bezieht sich auf den kürzestlaufenden Future des jeweiligen Rohstoffs und beim Übergang von einem alten auf einen neuen Kontrakt wird tatsächlich gerollt. Dazu muss beim Rollen der Verkettungsfaktor so festgelegt werden, dass die Entwicklung abgebildet wird, die sich ergeben würde, wenn Sie als Anleger zum Schlusskurs eines Handelstages den kürzesten Future verkauft und den zweitkürzesten Future zum Schlusskurs gekauft hätten.

 

 

GSCI Total Return

 

Bei einem Futuresinvestment muss der Wert einer Position nicht sofort vollständig hinterlegt werden; lediglich die so genannte Margin, die in einem festen Verhältnis zu dem unterliegenden Kapital steht, wird sofort fällig. Diese Konstellation ist im GSCI Total Return Index abgebildet. Dabei erfolgt die Investition in den kürzesten Future und das Rollen der Positionen in die nächste Laufzeit beim GSCI Total Return in der gleichen Weise wie beim Excess Return. Jedoch wird bei der Berechnung des GSCI Total Return unterstellt, dass die gesamte Futuresposition mit Kapital unterlegt ist.

 

Auf dieses Kapital kann in einem nachgebildeten Portfolio ein Zins gezahlt werden, wobei der Satz für US-Dollar-TBills als Referenzzinssatz angesetzt wird. Dieser Zins wird der Indexentwicklung zusätzlich zugeschlagen, so dass sich der GSCI Total Return insbesondere in Phasen mit hohen Zinsen besser entwickelt als der Excess Return.

 

Der GSCI Excess Return ist daher mit einem Preisindex wie dem Euro Stoxx 50-Index, der GSCI Total Return eher mit einem Performanceindex wie dem DAX vergleichbar. In Zeiten hoher Volatilität an den Rohstoff-Märkten bieten Indizes eine gute Möglichkeit, langfristig auf diese Anlageklasse zu setzen. Neben der GSCI-Familie gibt es mittlerweile noch einige andere Indizes, die zum Teil ein deutlich besseres Chance-Risiko-Profil aufweisen.