
Gewinne mit der Preisdifferenz der Future-Kontrakte
Am Anfang steht eine wichtige Erkenntnis: Kaum einer der Investoren am Rohstoffmarkt ist an der physischen Lieferung interessiert. Will man länger auf einen bestimmten Rohstoff setzen, muss man in einen länger laufenden Future-Kontrakt wechseln. Man verkauft also den aktuellen Kontrakt und kauft einen Kontrakt mit einer längeren Laufzeit. Dieser Vorgang wird als „Rollen“ bezeichnet.
Dabei wird der Anlagebetrag des jeweils nächsten auslaufenden Future-Kontrakts bei dem Rollvorgang in der Regel in den dann folgenden Future-Kontrakt gerollt. Im Normalfall haben Futures mit unterschiedlicher Laufzeit unterschiedliche Preise. Das liegt auch daran, dass die Lagerung bei bestimmten Rohstoffen extrem teuer ist. Dies trifft zum Beispiel bei Erdgas zu. Hier ist Erdgas mit einer Lieferung in sechs Monaten deutlich teurer, als der aktuelle Liefermonat.
Bachwardation und Contango
Nun kann diese Preisdifferenz zwischen den einzelnen Monaten eine positive oder auch negative Wirkung auf die Rendite haben. Je nach Preisdifferenz erzielt man bei dem Rollen einen Gewinn oder einen Verlust - je nachdem ob der nächste Kontrakt teurer oder billiger ist. Ist diese Rollrendite positiv, weil der kommende Kontrakt billiger ist und es ergibt sich ein Rollgewinn, spricht man im Fachjargon von „Backwardation“. Im umgekehrten Fall, wenn also der länger laufende Kontrakt teurer als der Aktuelle ist, ergibt sich eine negative Rollrendite. Hier spricht man von „Contango“.
Nun sind die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Monaten nicht sehr groß. Doch Sie müssen sich die Häufigkeit des Rollens vor Augen führen: Um 10 Jahre lang in Öl investiert zu sein, muss der Kontrakt 120 Mal (also 10 mal 12 Monate) gerollt werden. Aktuell ergibt sich beim Öl eine negative Rollrendite von 1,85% im Monat. Damit verlieren Sie allein durch das Rollen aufs Jahr gerechnet 22,24%. Um also überhaupt in den Gewinn beim Öl zu gelangen, müsste der Ölpreis, bei einer gleich bleibenden Marktsituation schon um 22,25% steigen.
Langfristiges Investment auf den Ölpreis lohnt nicht
An diesem Beispiel ist zu erkennen, dass es sich derzeit kaum lohnt, längere Zeit direkt auf den Ölpreis zu setzen, weil der Rollverlust auf Sicht von 12 Monaten schon ein gewichtiger Faktor ist. Nun gibt es aber auch Rohstoffe, bei denen die Terminmarktkurve deutlich abfällt und die länger laufenden Kontrakte deutlich in Backwardation notieren. Ein gutes Beispiel dafür aus den letzten Jahren ist Kupfer: Das wichtigste Industriemetall erreichte im Mai 2006 mit über 8.000 USD pro Tonne ein All-Zeit-Hoch.
Seit dem hat der Preis deutlich nachgegeben – und eben nicht nur am Spotmarkt, sondern auch bei den länger laufenden Kontrakten. So ist der Kupferpreis Ende 2008 erstmals seit April 2006 wieder unter 6.000 USD pro Tonne gerutscht. Für damals auslaufende Kontrakte mussten nur noch 5.700 USD bezahlt werden.
An diesem Abfall ist erkennbar, dass sich bei Kupfer etwas grundsätzlich verändert hat: Der extrem starke Anstieg wurde vornehmlich durch zwei Faktoren ausgelöst: Sehr hohe Nachfrage traf auf ein beschränktes Angebot. Die hohe Nachfrage resultierte vor allem aus den Boomländern Asiens. Das beschränkte Angebot und die geringen Lagerbestände waren eine direkte Folge davon. Doch beide Faktoren haben sich verändert: So ist in China 2006 wohl der Kupferverbrauch deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig sind die Lagerbestände, auch durch Produktionserweiterungen, deutlich angestiegen.
Mehr als 50% Plus mit fallendem Kupferpreis erzielt
In diesem Umfeld ist es klar, dass der Kupferpreis aus fundamentaler Sicht nachgibt. Genau das ist auch geschehen und ich setzte auf den fallenden Kupferpreis. Durch den jüngsten Preisrutsch unterstützt, steht diese Position mit über 50% im Plus. Das macht die Rohstoff-Märkte eben auch für Privatanleger so interessant: Mittlerweile können Sie sehr einfach auf steigende Preise, aber eben auch einfach auf fallende Preise setzen. Kurzfristige Trendwechsel können so schon auf Sicht von wenigen Monaten Gewinne im hohen zweistelligen Beriech abwerfen.
Neben dem Kauf von Einzelrohstoffen gibt es mittlerweile für Privatanleger auch die Möglichkeit in verschiedene Rohstoff-Indizes zu investieren. So profitieren Sie vom Effekt der Renditeoptimierung für das Gesamtdepot ohne aber das höhere Risiko von Einzelrohstoffen einzugehen. Dies geht aber zu Lasten der Gewinnchance, die bei Indizes deutlich niedriger ist als bei Einzelrohstoffen.

